» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

Clemens von Reusner

1. Preis Sparte Radiophone Klangkunst

Clemens von Reusner, Braunschweig

de monstris epistola


„Uraufführung“ als Klanginstallation (Ausschnitt) bei der Einweihung von Jean Pauls Geburtszimmer am 21. März 2013 zur Geburtsstunde um 1.30 Uhr in Wunsiedel, Evangelisches Gemeindehaus, Jean-Paul-Platz 5

Ursendung 25. Mai 2013 in „The artists corner“, Hessischer Rundfunk, hr2-kultur, 23.05 Uhr

Clemens von ReusnerClemens von Reusner, geboren 1957, Komponist und Klangkünstler. Nach dem Studium (Musikwissenschaft, Musikpädagogik, Schlagzeug bei Abbey Rader und Peter Giger) Tätigkeit als Komponist und Musiker in verschiedenen Ensembles sowie als Musiklehrer, Dozent und Autor. Seit Ende der 1970er-Jahre Auseinandersetzung mit elektronischer Musik, Hörspielen und Soundscape-Kompositionen. Ende der 1980er-Jahre Entwicklung der Musiksoftware KANDINSKY MUSIC PAINTER.

Clemens von Reusner ist Mitglied der Gesellschaft für Neue Musik (GNM). Von 2010 bis 1012 war er Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für elektroakustische Musik (DEGEM). Im Zentrum seiner Arbeiten stehen gleichermaßen rein elektronisch erzeugte wie an besonderen Orten vorgefundene Klänge, z.B. solche, die der Alltagserfahrung meist entzogen sind, wie die Klanglandschaft eines Industriehafens, Orte mit speziellen technischen Anlagen oder auch nächtliche Klangszenen in einer Großstadt. www.cvr-net.de

Werkkommentar
Meine Annäherung als Komponist an Jean Paul aus Anlass seines 250. Geburtstages am 21. März 2013 ist nicht nur eine gedankliche, sondern im Rahmen dieses Projekts auch eine räumliche, indem ich Orte seiner frühen Kindheit und Jugend in Wunsiedel, Joditz, Schwarzenbach und Hof aufgesucht habe.

Dem romantischen Streben nach der Synthese zwischen Poesie und Wirklichkeit im Werk Jean Pauls entsprechen in dieser Komposition die Synthese zwischen Hörbarem der heutigen akustischen Realität an den Orten der Kindheit und Jugend und akustisch potenziell darin Enthaltenem sowie von mir dort hinein Gedachtem. Es kommt zu einem Wechselspiel zwischen heutiger akustischer Realität und daraus abgeleiteter und imaginierter akustischer Sphäre – Vertrautes und Fremdes gleichermaßen und gleichzeitig.

Das Einbrechen der Imagination in die „normale“ Welt, wie sie beispielhaft und ins Groteske gesteigert in der Beschreibung des Kampfes um den achtläufigen „Doppelhasen“ („Dr. Katzenbergers Badereise“, 15. Summula) dargestellt ist, ist gespiegelt durch das Eindringen der elektronischen Klangwelt in die reale akustische Welt der heutigen Orte. Zu dieser gehören die vielfältigen Klänge der Kirchenglocken und des Wassers (die Saale, Wasserspiele, die zahlreichen Brunnen besonders in Wunsiedel) ebenso wie die Klänge des Alltags auf dem Lande und in der Stadt, das selbstvergessene Spiel der Kinder, Passanten, Gespräche, Straßenverkehr, Landwirtschaft, Handwerker.

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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