» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

Literaturnacht Wunsiedel

Gedichte von Jean Paul mit musikalischer Umrahmung

In der „Literarischen Stunde“ am 29. Juni um 19.30 Uhr im Rathaussaal in Wunsiedel stellte Johanne Arzberger in der langen Jean-Paul-Literaturnacht aus Werken von Jean Paul ausgewählte und mit Überschriften versehene Verszeilen vor, ausgesucht vor mehr als 60 Jahren von der Jean-Paul-Gesellschaft. Hartwig Küspert empfand die literarischen Beiträge musikalisch am Klavier nach.

JP 1997 Pfenninger H200Nach herkömmlicher Auffassung gilt Jean Paul als ausgesprochener Prosaschriftsteller, der keinerlei Gedichte geschrieben habe. Richtig ist, dass er es verschmähte, sich des Reims oder einer einheitlichen Strophenfolge zu bedienen. Statt deren bedient er sich des „jeder Empfindung eingeborenen naturnotwendigen Rhythmus“. – Gerade dieser „immanente Rhythmus“ ist aber das wesentliche Merkmal moderner Lyrik. Damit eilt Jean Paul der Kunstauffassung seiner Zeit weit voraus. Die deutsche Dichtung dürfte diesen Gedichten wenig Gleichwertiges an die Seite zu stellen haben. Es sind wohl die einzigen Gedichte, die gedichtet wurden, ohne dass sich der Dichter dessen bewusst war.

 

Gedichte von Jean Paul mit musikalischer Umrahmung
mit Johanne Arzberger und Hartwig Küspert (Klavier)
Zeit: Sa 29. Juni 2013, 19.30 Uhr
Ort: Wunsiedel, Großer Rathaussaal, Marktplatz 5

 

 

 

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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