» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

Maxim Seloujanov

Aufführungsempfehlung
Sparte Ensemble, 10 bis 14 Solo-Instrumente

Maxim Seloujanov, München

Das sichtbare Richterscherzo oder 45 musikalische Briefzirkel zur Niederreißung der Venus

Uraufführung im Rahmen des Festivals Klangspuren/Schwaz durch das Ensemble Phœnix Basel am 13. September 2013, Kurhaus Hall/Tirol

Kronenzeitung Tirol 15.09.2013

Maxim SeloujanowMaxim Seloujanov wurde 1967 in Moskau geboren. Sein Lebensweg ist geprägt von vielfältigen künstlerischen Aktivitäten und der Zugehörigkeit zu verschiedenen kulturellen Räumen. In seinem Werk bezieht er sich sowohl auf die russische Kultur als auch auf Errungenschaften der westlichen Avantgarden.

Mit fünf begann Seloujanov, Klavier zu studieren und gleichzeitig zu komponieren. Später studierte er an einem Musikkonservatorium in Moskau und setzte sein Kompositionsstudium bei Boguslaw Schaeffer am Salzburger Mozarteum fort, wo er später auch selbst unterrichtete. Sein Handwerk ist Inbegriff einer Vielfalt von kompositorischen Mitteln und Techniken, die stets im Einklang mit den gestellten künstlerischen Aufgaben eingesetzt werden.

Neben seiner Musik schafft der Künstler poetische, theatralische, bildnerische und interaktive multimediale Werke. Seine Arbeiten wurden mit internationalen Auszeichnungen bedacht: Laureat des österreichischen Theodor-Körner-Preises (2002), zweifach beim Herbert-von-Karajan-Kompositionswettbewerb in Wien (2005), dreifach beim Carl-von-Ossietzky-Kompositionswettbewerb in Oldenburg (2013), 1. Preis beim Gustav-Mahler-Wettbewerb in Wien (2010), Stipendium der Deutschen Akademie Villa Massimo (2006) u.v.a.

Zu seinen Auftraggebern in jüngerer Zeit gehörten u.a. die Bayerische Staatsoper, SWR, A*DEvantgarde Festival (München), Cantiere Internazionale di Montepulciano, verschiedene Ensembles wie z.B. Österreichisches Ensemble für neue Musik (OENM) und die Pianistin Lisa Smirnova. Seine Arbeiten wurden im Martin-Gropius-Bau in Berlin, bei ALTANA Kulturstiftung (Bad Homburg) und der Pinakothek der Moderne in München präsentiert. Durch die österreichische Bundesregierung wurden einige seiner Werke gefördert, darunter die Oper „DerAlmaNach“. Das Schaffen des Komponisten umfasst über 200 Werke, die alle Musikgattungen einschließen. (Foto: Maria Baranova)

Werkkommentar
Das Stück ist eine Scherzo-Hommage an Jean Paul und sein Werk. Wie bereits der Titel verrät, handelt es sich um eine Anspielung auf den Roman „Hesperus oder 45 Hundposttage“. Die Darbietung des Stückes stellt neben seinem musikalischen Genuss auch eine akustisch-visuelle Komposition dar, bei welcher eine räumliche Verteilung der Musiker die Eigenschaften von Jean Pauls Stil symbolisch wiederzugeben versucht, z. B. durch eine um das Klavier herum verteilte Blechbläser-Dreieckbeziehung oder die „Selbstgespräche“, die die Musiker, Jean Pauls Phrasen aufgreifend, führen und an welchen sie den Zuhörer teilnehmen lassen.

Die Musiker stehen in einem geöffneten Kreis, der sich um das Klavier herum bildet. Die einzige Form, die das scheinbar formlos zerfließende Stück zusammenhält, ist das Prinzip, nach welchem die Töne 45-mal durch den Kreis gejagt werden – mit dem Ergebnis, dass viele „labyrinthische“ Handlungen entstehen. Das Werk umfasst 45 Seiten.
 

 

 

 

 

 

 

back_start.jpg


Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!