» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

Sun-Young Pahg

2. Preis Sparte Ensemble, bis zu 8 Solo-Instrumente

Sun-Young Pahg, Rueil-Malmaison

Le son lointain

Uraufführung am 28. Juni 2013 in Frankfurt am Main Hochschule für Musik und Darstellende Kunst durch das Ensemble I z M des Instituts für zeitgenössische Musik unter der Leitung von Gerhard Müller-Hornbach

Sun-Young PahgSun-Young Pahg, 1974 in Korea geboren, lebt und arbeitet heute in Paris. Sie studierte Komposition an der Nationalen Universität Seoul und an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar bei Robin Minard (Elektroakustische Komposition). 2004/2005 absolvierte sie am Pariser IRCAM den einjährigen Computermusik- und Kompositionskurs, wo sie ihr Stück „La fenêtre de Rozalie“ für Mezzosopran, Schlagzeug und Live-Elektronik realisierte, und 2007 am Session de Composition-Voix Nouvelles von Fondation Royaumont den Workshop mit Brian Ferneyhough. Sie war Composer in Residence in Straßburg mit dem Ensemble LINEA 2007/2008, in Annecy/Frankreich (Musiques Inventives d'Annecy, 2008) und in Frankfurt (Archiv Frau und Musik, 2009).

Sie erhielt zahlreiche Kompositionsaufträge, u.a. durch das Kulturministerium Frankreichs („au fil du temps“ 2008), Seoul Philharmonic Orchestra („étude harmonique de prémonition“, 2010), Ensemble Modern Frankfurt und Tongyeong International Music Festival („Ich spreche dir nach“, 2005), Wittener Tage für neue Kammermusik („Vierzehn Szenen keine Geschichte“, 2007), Rainer Römer (Ensemble Modern, „MONOLOG: aus dem Denken von Lucky“), Hamburger Klangwerktage („Fünf Lieder des Rapunzel“, 2007), Festival Ultraschall für Neue Musik 2005 Berlin („MADANG“ für Kontrabassklarinette und Live-Elektronik).

Aufführungen ihrer Werke und Klanginstallationen erfolgten bei verschiedenen internationalen Festivals und Symposien: beim Festival Archipel 2009 in Genf, Summer Festival Music Today 21 Suntory Hall Tokyo, Festival Musica 2008 Strasbourg, ICMC 2002 in Schweden, 2003 in Singapur, Festival Kryptonale Berlin (2001, 2002). 2009 fand ihr Porträtkonzert im Rahmen des Internationalen Arbeitsstipendiums Composer in Residence in Frankfurt statt. Vor Kurzem wurde ihr neues Stück „Das Heft der lyrischen Motive“ für Violine und Kontrabass (Auftrag vom Ensemble TIMF) beim Klangspuren-Festival 2012 in Schwaz uraufgeführt. Zur Zeit arbeitet sie an ihrem neuen Stück für Streichquartett und Elektronik als Composer in Residence am GRAME (Lyon).

Werkkommentar
Die Welt Jean Pauls eröffnete sich mir zum ersten Mal dank eines Textes von Martin Kaltenecker über das Hören von Musik: „L’Oreille divisée“ (dt. „Das geteilte Ohr“).

Der Text zeigt zwei unterschiedliche Wahrnehmungsweisen von der Welt und von Musik auf, symbolisch dargestellt durch die ungleichen Zwillinge Walt und Vult aus dem Roman „Flegeljahre“ von Jean Paul. Im musikalischen Sinne besaß Walt „Herzohren“, Vult dagegen hörte Musik „voraus und zurück“.

Aufgrund des beschriebenen Komplexitätskonflikts des Phänomens Klang, wie es mit seinem zarten und flüchtigen Charakter vom Ohr wahrgenommen wird, hat mich diese Abhandlung zum Nachdenken über die Rezeption von Musik angeregt.

„Le son lointin“ (dt. „Der ferne Klang“) ist ein Klangzustand, bei dem sich der Klang fast außerhalb der Struktur bewegt. Es ist ein Moment des Eindrucks, des Affekts, sogar des Empfindens, und der Nostalgie.

„… wenn man das Romantische das wogende Aussummen einer Saite oder Glocke nennt, in welchem die Tonwoge wie in immer ferneren Weiten verschwimmt und endlich sich verliert in uns selber …“ Über die romantische Poesie, Jean Paul, „Vorschule der Ästhetik“, Hamburg

An einer Stelle bin ich für diese Auffassung besonders empfänglich: Wenn sich die Musik als eine Einheit aus klanglichen Äußerungen in sich auflöst. Das ist der Moment, in dem sie im individuellen Gedächtnis mitzuschwingen beginnt, während das physische Mitschwingen sich legt.

Diese Verwandlung des Klangs, vom physischen Zustand zum seelischen und emotionellen Bild, spiegelt sich in diesem Stück durch die Mehrdeutigkeit der morphologischen Definition, der unentwegten Timbrebrüche wider, und wird an einem Punkt schließlich durch die „Entfernung“ eines Musikers symbolisch dargestellt.

Werkkommentar in französischer Sprache (PDF)

 

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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