» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

Johannes Schöllhorn

Komposition im Auftrag von Jean Paul 2013 e.V., finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung

Johannes Schöllhorn, Köln

Dämmerung-Schmetterlinge 5 Stücke für Orchester

Uraufführung am 18. Oktober, 19.30 Uhr in Hof, Abokonzert der Hofer Symphoniker Programmheft
Frankenpost vom 21.10.2013
Frankenpost vom 17.10.2013


 

Johannes Schöllhorn, geboren 1962 in Murnau, studierte in Freiburg bei Klaus Huber, Emanuel Nunes und Mathias Spahlinger Komposition, Musiktheorie bei Peter Förtig und besuchte Dirigierkurse bei Peter Eötvös. Johannes Schöllhorn arbeitet mit zahlreichen internationalen Solisten, Ensembles und Orchestern zusammen und erhielt einige internationale Kompositionspreise und Auszeichnungen. Im Jahre 1997 war er Gewinner des Comitée de Lecture des Ensemble Intercontemporain und erhielt 2009 den Praetorius Musikpreis des Landes Niedersachsen. Johannes Schöllhorn ist Professor für Komposition und Leiter des Instituts für Neue Musik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Er unterrichtete mehrmals am Kompositionsseminar der Fondation Royaumont (F) sowie dem Bartók-Festival (HU) und gab Kompositionskurse in Belgien, Frankreich, Italien, China, Japan und Korea. www.johannes-schoellhorn.de

Werkkommentar
„Die Zeit dämmert – wiewohl jede irdische dämmert, entweder vor oder nach der Sonne; und nur die Ewigkeit ist licht –; und darin gönne man denn einigen Gedanken den kurzen trägen Flug, (...)“ (Jean Paul: Politische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche, III. Dämmerungschmetterlinge oder Sphinxe)

Dämmerung-Schmetterlinge – was verbirgt sich hinter diesem scheinbar so naiven und naturverliebten Titel?

Wenn man Jean Paul liest, dann wird man einem Feuerwerk der Metaphern ausgesetzt, das zeigt, dass alle Begriffe Metaphern sind, alles für anderes steht oder stehen kann und jede Kleinigkeit sich nicht nur dadurch bestimmt, was sie scheinbar ist, sondern entscheidend ist, wie man sie betrachtet. In kleinen mit vielerlei Bedeutungen aufgeladen Bilder spinnt er weit ausgreifende Zusammenhänge, die kleine Schmetterlinge zu kräftigen Bildern in seinen späten politischen Schriften werden lassen.

In 5 kurzen, konzentrierten Sätzen versucht sich mein Stück diesem Denken zu nähern. Da Musik keine Metaphern kennt, beziehen sich die Miniaturen auf Elemente der musikalischen Vergangenheit und betrachten sie aus neuen Blickwinkeln. Dabei mag manches bekannte Element rätselhaft erscheinen wie die Sphinxen, die bekanntlich auch eine Familie der Dämmerungschmetterlinge sind, aber gerade durch das Rätsel lässt sich, wie Orpheus und die Sphinx im Gespräch erfuhren, Neues entdecken. Oder, mit einem anderen großen Dichter der Romantik gesagt: „Je nun, eine gute Verwirrung ist weit mehr wert als eine schlechte Ordnung.“ (Ludwig Tieck)

 

 

 

 

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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