» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

Michael Maierhof

1. Preis Sparte Stimme und solistisches Instrument

Michael Maierhof, Hamburg

daily songs 4
für Bariton, Flügel, schwingende Systeme, sonic Motoren und Text-Zuspielung (2012)

Uraufführung im Rahmen des Festakts zu Jean Pauls 250. Geburtstag am 21. März 2013 in Bayreuth

Michael MaierhofMichael Maierhof, freischaffender Komponist und Improvisator, lebt in Hamburg. Er studierte Musik und Mathematik in Kassel sowie Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg. 1989 entstanden erste Kompositionen. Seit 1990 liegt der Schwerpunkt seines Schaffens bei der raumbezogenen Musik für Ensembles unterschiedlicher Besetzungen, der Entwicklung einer Präparations- und Untertontechnik für Streichinstrumente sowie Forschungen über das Kreisen auf Untergründen. Er arbeitet an einer nicht über Tonhöhen organisierten Musik.

Maierhof hielt Lectures über seine Musik am Trinity-College/Dublin, an der Musikhochschule Stuttgart, am Mozarteum in Salzburg, am California Arts Institute in Los Angeles, am Centre for Contemporary Music in Dublin und dem Central Conservatory of Music in Peking und der Musikhochschule Freiburg. Internationale Aufführungen. Verschiedene Preise und Stipendien, zuletzt 2008 den Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart, 2009 den Kompositionspreis des Wettbewerbs "ad libitum". 2011 Stipendiat der Villa Aurora in Los Angeles, 2012 lecture bei den Darmstädter Ferienkursen. Seit 2004 Cellist des Impro-Trios NORDZUCKER und des Stark Bewölkt Quartetts, Mitbegründer des Künstlernetzwerkes "stock11.de" und des Verbandes für aktuelle Musik Hamburg (vamh,de).

Werkkommentar
Das Stück bezieht sich auf zwei Textstellen aus Jean Pauls "Siebenkäs":

„Die Einsamkeit lag wie eine schöne Gegend um unsern Freund. Alle verirrte, verjagte Echos konnten zu ihm herübergelangen, und er konnte sich auf dem aus zwölf Stunden gewebten Flor, der sich vor dem schönsten historischen Gemälde seines Lebens aufspannte, das Gemälde zitternd nachzeichnen mit Kreide und tausendmal nachzeichnen." (495)

„… aber er hatte nicht vorausgesehen, dass ihn der Druck der Hand tiefer in die Verlegenheit senken werde; denn er musste nun (das konnte man fodern) eben sowohl über die Hand als über die Zunge regieren, und er konnte die fremde Hand nicht Knall und Fall fortschicken, sondern musste sie in einem allmählichen Diminuendo des Drucks entlassen."

Präsent ist der Text nur durch die Zuspielung einer Textkomposition. Die Schauspielerin Patrycia Ziolkowska vom Hamburger Thalia Theater hat den Text eingesprochen. Aus diesem Material entstand dann eine Textkörper-Komposition. Der Bariton singt keinen Text, denn die Stimme ist "präpariert" mithilfe eines bearbeiteten Plastikbechers, der zur Modulation des Stimmklanges eingesetzt wird. Distortion/Verzerrung der Tonhöhe ist Thema in der Gesangsstimme wie der Sprechstimme als auch bei den Klängen des Flügels, der mithilfe einfacher Objekte wie Glaskugeln, Plastikbecher und Nylonsaiten erweitert wird.

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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