» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

Ying Wang

Aufführungsempfehlung
Sparte Ensemble, 10 bis 14 Solo-Instrumente

Ying Wang, Köln

Focus Overlap für Ensemble (2012)

Uraufführung im Rahmen der Tage für Neue Musik am 17. November in Zürich

Ying WangYing Wang, geboren in Shanghai, studierte Komposition bei Xilin Wang, Gang Chen und Daquen Jia am Konservatorium ihrer Heimatstadt. Aufbaustudien führten sie ab 2003 nach Deutschland zu York Höller an die Musikhochschule Köln. Seit 2008 studiert sie elektronische Komposition bei Michael Beil. Während ihres derzeitigen Konzertexamens Komposition erhält sie Unterricht von Rebecca Saunders und Johannes Schöllhorn. 2010 erhielt sie den Master Degree für Zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.

Ying Wang arbeitete mit verschiedenen Orchestern: Avanti! Orchester (Helsinki), Internationale Ensemble Modern Akademie (Frankfurt), Ensemble Alternance (Paris), Baikonur Ensemble (Wien), Cassatt Quartett (New York), I z M Ensemble Frankfurt, Norrbotten Neo Ensemble (Stockholm), Ensemble en plythos (Weimar), Young Euro Classic Festivalensemble (Berlin-Beijing-Shanghai), Orchester der Hochschule für Musik Köln, Jeunesse-Kammerchor (Wien), Ensemble UnitedBerlin, MAM.Manufaktur für aktuelle Musik und Gürzenich Orchester (Köln).

2007 errang Ying Wang Auszeichnungen bei Kompositionswettbewerben der “Franz Josef Reinl-Stiftung" (Wien) und der Hochschule für Musik Köln. 2009/10 war sie Stipendiatin der Internationalen Ensemble Modern Akademie in Frankfurt. Sie erhielt 2010 den Bärenreiter-Preis. 2012 war sie Preisträgerin bei ”Neue Orchesterkompositionen gesucht”, dem Kompositionswettebewerb des Landesmusikrats NRW. Bei der 5. Brandenburg Biennale erhielt sie den Kompositionspreis unter 245 Teilnehmern aus 38 Ländern. www.yingwang.de

Werkkommentar
Gewidmet Jean Paul und seinem Werk  „Die Tonkunst als das höchste Echo der Welt“

„Wenn die Töne sprechen, können wir nicht unterscheiden, ob sie unsere Vergangenheit oder unsere Zukunft aussprechen; wir hören ferne Tage, weggegangne und herkommende, denn beide sind ferne; und wir müssen zugleich uns erinnern und uns sehnen. Denn kein Ton hat Gegenwart und steht und ist; sein Stehen ist nur ein bloßes Umrinnen im Kreise, nur das Wogen einer Woge. Eben deshalb reißen uns die Töne niemals so gewaltsam mit sich fort, als wenn wir zugleich mit ihnen große Massen, Wolken, Schiffe, Menschenreihen ziehen sehen; das Gehen ist uns Vergehen. – Rinnen nun in den Tönen Vergangenheit und Zukunft des Herzens zusammen und fehlt ihnen die Gegenwart, die beide scheidet: so sind sie ja das irdische Echo der Ewigkeit, und der Mensch hört an ihnen kein Außen, sondern nur sein Innen und ewiges Ich.“ (Werke II/3, S. 945 f.)

Dieses Stück ist für 14 Musiker komponiert und inspiriert durch das „Gedicht“ von Jean Paul über Klang und Zeit. Ich fokussiere die Zeit in einem Moment. Ein Prinzip des lokalen Fokus und des durchgehenden Überlappens (Overlap) ist in Klang und Struktur des Werkes zur Anwendung gebracht. Die Zeiträume, die „natürliche“ Klangentwicklungen in linearer Abfolge einnehmen, werden in meinen kompositorischen Gestaltungen somit willkürlich überlagert, gedehnt, gestaucht und neu angeordnet.

Jeder Klang hat seinen eigenen Schwerpunkt und korrespondiert mit anderen Klängen, Klangtexturen und Timbres: Jede lokale Vielfalt von Bestandteilen trägt durch Überlagerungen und Kombinationen zur Klanggestaltung bei. Im Ergebnis entsteht eine sehr feine und ungewöhnliche Textur von Klängen. Darüber hinaus haben verschiedene Gruppen einen eigenen Raum im Klang, welcher dem imaginären Echo entspricht. Dieses Echoprinzip durchzieht das ganze Werk und erschließt mit der Raumakustik gemeinsam einen eigenen Klangraum. Man begibt sich darein, in sein Inneres und verliert die Orientierung in der Zeit: Vergangenheit und Zukunft strömen zusammen.

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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